Vor etwa zwei Jahren passierte es: Ich verliebte mich ins Theater, Hals über Kopf. Weil es mir unerhört schnell ungeheuer nah kam, mit mir sprach, mich berührte, bewegte, mit mir spielte und mir so vieles über mich, die Welt, die Menschen zeigte. Seit dieser ersten Begegnung will es etwas von mir, fordert und verändert mich. Das ist ziemlich anstrengend und es ist durchaus eine geladene Beziehung, die wir miteinander führen. Ich weiß, dass es mich mit seiner Wahrheit packen kann, dass es herausfordert, verändert, konfrontiert, wie nichts sonst – und das ist ganz wunderbar. Aber wir kommen nicht immer gut klar miteinander. Es kann so arrogant sein wie eine Diva, elitär wie ein Feldherr, zynisch wie ein verknöcherter Dorfschulrektor. Manchmal lügt es, manchmal nervt es mich entsetzlich durch seine aufgeregte Manier. Manchmal bleibt es ganz grotesk unter seinen Möglichkeiten, wird verraten und unterschätzt.
Alles, was sich auf diesem Blog befindet, ist Ausdruck meiner persönlichen Auseinandersetzung mit dem Theater. Voller Fragen, Unklarheiten, Missverständnisse, Zärtlichkeiten, Beleidigungen, Wutausbrüchen, Eifersüchteleien und Liebeserklärungen, die eine Beziehung eben mit sich bringen.
Barbara Behrendt
Freie Journalistin, Berlin
